Presse-Mitteilung
Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem. 2003, 115 (25), 2986 -
2989
Nr. 25/2003
Mikroben als StromlieferantenNeue Generation mikrobieller Brennstoffzellen
erzeugt erstaunlich hohe Stromdichten
Brennstoffzellen könnten für viele Anwendungen die Energiequelle
der Zukunft sein, etwa für Fahrzeuge. Die direkte Umwandlung von
chemischer in elektrische Energie ohne den Umweg über eine Verbrennung
ist es, was diese Technik so umweltfreundlich macht. Der Durchbruch in die
Massenanwendung steht noch bevor, doch schon brüten schlaue Köpfe
über neuartigen Konzepten für die übernächste Generation,
die sogar mit nachwachsenden Rohstoffen auskommen soll: Mikrobielle
Brennstoffzellen. Forschern von der Universität Greifswald ist nun ein
entscheidender Schritt auf dem Weg zur "Bio-Brennstoffzelle"
geglückt.
Während "normale" Brennstoffzellen konventionelle
Energieträger wie Methanol benötigen, nutzen die Bio-
Brennstoffzellen die Stoffwechselaktivität von Mikroorganismen zur
Energiegewinnung. Ein geniales Konzept, dessen Umsetzung in die Praxis bisher
allerdings an einer viel zu mageren Stromausbeute scheiterte. Ursache ist die
ausgesprochen schwierige "Verdrahtung" der Mikroben mit dem
Stromkreis. Uwe Schröder, Juliane Nießen und Fritz Scholz haben nun
einen neuen Ansatz entwickelt, um die aus dem mikrobiellen Stoffwechsel
"abgezapften" Elektronen auf die Elektroden zu übertragen.
Während die Mikroorganismen munter in einem Tank Glucose verstoffwechseln
- später sollen einmal pflanzliche Abfälle bis hin zu
Klärschlämmen als "Futter" dienen -, wird die
Fermentationsbrühe kontinuierlich durch einen separaten Anodenraum
gepumpt. Dieser ist durch eine halbdurchlässige Membran vom Kathodenraum
getrennt. Soweit noch nichts besonderes.
Der Clou dieser Bio-Brennstoffzelle ist die neuartige beschichtete Anode:
Eine Platinelektrode oder eine mit Platin überzogene Graphitelektrode
wird mit einer Schicht aus dem elektrisch leitfähigen Kunststoff
Polyanilin überzogen. Diese Kunststoffschicht hat es in sich. Sie ist
biokompatibel und elektrokatalytisch aktiv. Sie nimmt Elektronen aus dem
Stoffwechsel der Bakterien auf, überträgt sie auf die Anode und ist
so entscheidend am Stromfluss beteiligt. Aber das ist noch nicht alles.
Während des Betriebs der Zelle entstehen bakterielle Stoffwechsel- sowie
Nebenprodukte des elektrokatalytischen Oxidationsprozesses, die sich an einer
unbeschichteten Anode anlagern und sie rasch desaktivieren. Der Kunststoff
verlangsamt diesen Prozess deutlich, kann ihn jedoch nicht vollständig
verhindern. Ein weiterer Trick schafft Abhilfe: Durch regelmäßige
Spannungspulse werden die Ablagerungen chemisch umgesetzt und von der
Anodenoberfläche abgelöst.
"Unsere neuartige Bio-Brennstoffzelle gibt kontinuierlich bis zu 1,5
mA/cm2 ab," berichtet Schröder. "Damit ist uns der
Schritt vom Mikro- in den Milliampère-Bereich gelungen."
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