Presse-Mitteilung
Angew. Chem. 2004, 116 (16), 2210 – 2213
Nr. 16/2004
Die Nadel im Heuschober
Magnetisch-bioelektronische
Proteindiagnostik – superempfindlich und mit dem Potenzial für Chip-Methoden
Für die medizinische Diagnostik, aber
auch für die biomedizinische Forschung und die Entwicklung neuer Pharmaka ist
die selektive Identifizierung und Quantifizierung von Proteinen eine
grundlegende Voraussetzung. Forscher an der New Mexico State University in den
USA haben nun einen neuen ultraempfindlichen immunologischen Proteintest
entwickelt, der auf einer Markierung der Proteine mit DNA-Strängen beruht und
auch für Lab-on-a-chip-Anwendungen geeignet sein könnte.
Der Test basiert, wie viele gängige
immunologische Proteintest, auf der Bindung des gesuchten Proteins an zwei
gegen dieses Protein gerichtete Antikörper. Der erste Antikörper dient dazu, das
Protein aus der Probe zu fischen, der zweite markiert es und macht so die
spätere Detektion möglich. Damit ein solcher Test extrem spezifisch und
empfindlich ausfällt, müssen zum einen allen störenden Bestandteile der Probe
sowie überschüssiger Marker sehr effektiv entfernt werden. Zum anderen braucht
man einen guten "Verstärker", der dafür sorgt, dass bereits extrem geringe
Mengen des nachzuweisenden Proteins ein gut detektierbares Signal auslösen.
Beides hat das Team um Joseph Wang auf pfiffige Weise gelöst.
Und so funktioniert es: Antikörper Nummer
eins, der "Festhalter", ist an winzige magnetische Kügelchen gebunden. Wie an
einer Leimrute bleibt das Analyt-Protein daran kleben. Beim folgenden
Waschschritt werden diese Komplexe magnetisch von allen störenden Bestandteilen
der Probe abgetrennt. Nun kommt der zweite Antikörper ins Spiel, der Marker,
der sich an die Magnetkugel/Antikörper/Protein-Komplexe heftet. Die zweite
Sorte Antikörper ist an winzige Kunststoff-Kügelchen gekuppelt, die außerdem
eine Vielzahl kurzer DNA-Stränge tragen.So wird der Komplex nicht nur markiert,
sondern auch eine dramatische Verstärkung des Signals erreicht. In einem
weiteren magnetisch unterstützen Waschschritt wird ungebundener Marker sehr
gründlich entfernt. Nun kann detektiert werden: Dazu werden die DNA-Stränge,
die ausschließlich die Nukleobase Guanin enthalten, von den
Kunststoff-Kügelchen abgelöst und aus den Strängen dann die einzelnen
Guanin-Nukleobasen freigesetzt. Guanin lässt sich elektroanalytisch sehr
empfindlich nachweisen. Wenn Guanin-Moleküle auf einer Elektrode adsorbiert
werden, ändern sich deren elektrische Charakteristika. So sind Nachweisgrenzen
von 2 Pikogramm (1 pg = ein Billionstel Gramm) des gesuchten Proteins pro
Milliliter erreichbar.
Auch die Nukleobase Adenin ist
elektroanalytisch sehr gut nachweisbar – und liefert ein von Guanin
unterscheidbares Signal. Selbst verschiedene DNA-Stränge mit definierten
Verhältnissen von Adenin zu Guanin lassen sich, als Marker eingesetzt,
voneinander unterscheiden. So könnten sogar mehrere Proteine parallel
detektiert werden.
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