Ernst und Sohn, Berlin Eiserne Eremitage - Bauen mit Eisen im Russland der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Cover Die Eremitage als Gegenstand interdisziplinärer, ingenieurmäßiger Bauforschung: Nie zuvor wurde eine.. Product #: 978-3-433-03156-8 Regular price: $139.25 $139.25 Auf Lager

Eiserne Eremitage - Bauen mit Eisen im Russland der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

(Werk bestehend aus 2 Bänden)

Fedorov, Sergej G. / Heres, Bernhard / Lorenz, Werner

Cover

1. Auflage Januar 2022
XXVIII, 714 Seiten, Hardcover
1036 Abbildungen (1036 Farbabbildungen)
Handbuch/Nachschlagewerk

ISBN: 978-3-433-03156-8
Ernst und Sohn, Berlin

Kurzbeschreibung

Die Eremitage als Gegenstand interdisziplinärer, ingenieurmäßiger Bauforschung: Nie zuvor wurde eine historische Eisenkonstruktion derart untersucht, dokumentiert und interpretiert. Dem Leser erschließen sich neben den Konstruktionen selbst auch die Entwurfs- und Bauprozesse.

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Im Dezember 1837 zerstört ein verheerender Großbrand das Machtzentrum des russischen Reichs, den Winterpalast in St. Petersburg. Der von Zar Nikolaus I. forcierte umgehende Wiederaufbau bildet den Auftakt eines groß angelegten Um- und Neubauprogramms für nahezu sämtliche Bauten der kaiserlichen Residenz, die heute umgangssprachlich unter dem Namen Eremitage zusammengefasst werden. Vermeintlich "feuersichere" Eisenkonstruktionen modernster Bauart ersetzen in den Dächern und Decken die traditionellen Holztragwerke. Bis 1852 entsteht in beispiellosen Ausmaßen, erstaunlicher Vielfalt und unterschiedlichen konstruktiven Handschriften das größte Ensemble eiserner Tragwerke der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - die Eiserne Eremitage.

Errichtet in einer technologisch noch offenen Zeit, in der Europa gerade erst daran arbeitet, die Möglichkeiten des Bauens mit Eisen zu erkunden und erste Regeln und Praktiken dafür zu formulieren, bilden die hinter den Fassaden und abgehängten Decken der Eremitage verborgenen Eisenkonstruktionen heute ein einzigartiges Zeugnis aus der Frühzeit des europäischen Stahlbaus.

Im Ergebnis eines langjährigen Forschungsprojekts eröffnet die zweibändige Monographie eine gänzlich neue Sichtweise auf diesen Gebäudekomplex von Weltrang: Nie zuvor ist eine historische Eisenkonstruktion in derartiger Tiefe und Weite erfasst, dokumentiert und interpretiert worden. Exemplarisch zeigt die Untersuchung dabei das Potenzial einer Bauforschung mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt, die nicht nur die Auswertung umfangreicher Archivbestände, handnahe In-situ-Untersuchungen, Laboranalysen und statisch-konstruktive Analysen umfasst, sondern auch die kompetente Verortung und Bewertung im zeitgenössischen bautechnikgeschichtlichen Kontext. In einem eigenen Tafelband werden aus der Fülle des Materials Archivalien, detaillierte Konstruktionszeichnungen und Visualisierungen der eisernen Tragwerke präsentiert und kommentiert.

Auf der Suche nach Erklärungen verfolgen die Autoren in ihrer detaillierten Aufbereitung der Bau- und Konstruktionsgeschichte den langen Weg des Eisens zurück bis zu den Wurzeln im Ural, dem Abbau und der Verhüttung des Erzes. Die Spurensuche entfaltet die Folie, vor der sich der Bau der Eisernen Eremitage überhaupt erst vollziehen konnte - die beeindruckende Geschichte der russischen Eisenproduktion und bislang nahezu unbekannter Pionierleistungen des Bauens mit Eisen im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Das Ergebnis verändert unseren Blick auf die Frühgeschichte des Stahlbaus - im Verständnis der Entwurfs-, Konstruktions- und Bauprozesse eines solchen Großprojekts, vor allem aber auch hinsichtlich der bereits weit zurückreichenden Traditionslinien des russischen Eisenbaus.

BAND 1
Geleitwort der Reihenherausgeber
Vorwort und Dank
Der Winterpalast - ein architektonisches Ensemble als Laboratorium technischer Innovationen (von Valerij P. Lukin, Leitender Architekt der Staatlichen Eremitage Sankt Petersburg)

1 Einführung
1.1 Der Brand des Winterpalastes 1837
1.2 Forschungsstand und Forschungsziele

2 Wurzeln - Eisenerzeugung in Russland bis Mitte des 19. Jahrhunderts
2.1 Eisenhütten im Ural - Keimzellen des russischen Eisenbaus
2.2 Eisenwerke in und um Sankt Petersburg

3 Traditionslinien und Kontext - Bauens mit Eisen in Russland bis Mitte des 19. Jahrhunderts
3.1 Traditionslinien des Bauens mit Eisen in Russland im 18. Jahrhundert
3.2 Sankt Petersburg - Eiserne Stadt

4 Eiserne Eremitage - Bau- und Konstruktionsgeschichte
4.1 Einrichtung zweier Baukommissionen. Baufinanzierung
4.2 Eingehende konstruktive Vorschläge und deren Rezeption
4.3 Baustelle Winterpalast und Fertigung im Aleksandrovskij-Werk
4.4 Bau der Neuen Eremitage
4.5 Umbau und konstruktive Ertüchtigung der Kleinen und Alten Eremitage

5 Tragwerke und Tragverhalten
5.1 Allgemeine Charakteristika der Eisenkonstruktionen
5.2 Dachtragwerke
5.3 Deckentragwerke

6 Konstruktion als Prozess - Wie sind die Eisentragwerke entwickelt worden?
6.1 Schauplätze des Konstruierens
6.2 Strukturfindung und Detaillierung
6.3 Baubegleitende Impulse und Korrektive
6.4 Bemessung und Legitimation

7 Die Eiserne Eremitage und Europa - Auf der Suche nach einer neuen Konstruktionssprache
7.1 Architekten, Ingenieure, Werksleiter - Würdigung der Akteure
7.2 Auf dem Weg zur Konstruktionssprache des Stahlbaus - Was kennzeichnet die Tragwerke der Eisernen Eremitage?
7.3 Bedeutung in der Geschichte des Stahlbaus - konstruktive Qualität, Rezeption und Wirkungsmacht

8 Ausgewählte Texte und Dokumente
8.1 Der Brand des Winterpalastes: Zeitgenössische Periodika, Diplomatenberichte und Memoiren
8.2 Wiederaufbau: Briefwechsel, eingereichte Vorschläge, Bauberichte
8.3 Die Eisentragwerke des Winterpalastes im "Traité de l'application du fer" von Charles Eck: vorbereitender Briefwechsel, relevante Auszüge und die zugehörige Abhandlung von Pierre Dominique Bazaine
8.4 Bauorganisation: Gesetze, Verordnungen, Personalia

ANHANG
Russische Maße und Gewichte
Literaturverzeichnis
Verzeichnis der Archive und Bestände
Personenverzeichnis
Ortsverzeichnis
Bildnachweis
Über die Autoen
Über die Reihe


BAND 2: TAFELN
Teil 1
Graphische Quellen zu zeitgenössischen Eisentragwerken in Russland
Verzeichnis der Tafeln 1-18
Einführung
Teil 2
Graphische Quellen zu den Eisentragwerken der Eremitagebauten
Verzeichnis der Tafeln 19-57
Einführung
Teil 3
Dokumentation der eisentragwerke der Eremitagebauten
Verzeichnis der Tafeln 58-111
Einführung
Teil 4
Ausgewählte Visualisierungen der Eisentragwerke der Eremitagebauten
Verzeichnis der Tafeln 112-125
Einführung

Sergej G. Fedorov studierte Architektur und Bauingenieurwesen in Leningrad (LISI, heute St. Petersburger Staatliche Universität für Architektur und Bauwesen). Forschungs- und Entwurfstätigkeit im Bereich "Räumliches Tragwerk" am LenZNIIEP (Leningrader Institut für Experimentalplanung von öffentlichen Gebäuden), Post- Graduate-Studium am CNIITIA (Zentralinstitut für Geschichte und Theorie der Architektur Moskau). 1991 Gastwissenschaftler am Institut für leichte Flächentragwerke der Universität Stuttgart (SFB 230 "Natürliche Konstruktionen", Sprecher Frei Otto), 1992 - 1999 wiss. Mitarbeiter am Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe (SFB 315 "Erhalten historisch bedeutsamer Bauwerke", Sprecher Fritz Wenzel), 1997 Promotion zum Dr.-Ing. über historische Eisenkettenbrücken, 2000 - 2004 akad. Mitarbeiter am Osteuropa-Institut München an DFG-Vorhaben zu bayerisch-russischen Architektur- und Ingenieurbeziehungen 1800 - 1850. Seit 2005 akad. Mitarbeiter der Fakultät für Architektur der Universität Karlsruhe (seit 2009 KIT), Tätigkeit in Lehre (Schwerpunkt "Umgang mit dem Architekturerbe des 20. Jhs.") und Forschung, u. a. als Co-Projektleiter im DFG-Verbundprojekt "Die Eisenkonstruktionen der Gebäude der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg", zusammen mit dem Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte und Tragwerkserhaltung der BTU Cottbus-Senftenberg (Prof. Werner Lorenz). 2013 Habilitation zum Thema
"Wechselwirkung von konstruktivem und architektonischem Denken in der deutschrussischen
Baukultur: 19. bis 20. Jh." an der BTU Cottbus-Senftenberg. Derzeit Projektleiter der DFG-Vorhaben zu Leo von Klenzes Neuer Eremitage in St. Petersburg. Verfasser von Monographien und zahlreichen weiteren Publikationen sowie Ausstellungen zur Architektur- und Konstruktionsgeschichte des 19. und 20. Jh., Fragen des Umgangs mit dem Erbe der Moderne sowie deutsch-russischen Architekturkontakten.
Bernhard Heres, geboren 1969 in Berlin, studierte an der TU Berlin Maschinenbau und Bauingenieurwesen. Letzteres schloss er 2003 an der BTU Cottbus mit einer Diplomarbeit
über die Eremitage-Tragwerke ab. Als Akademischer Mitarbeiter am Cottbuser Lehrstuhl Bautechnikgeschichte arbeitete er ab 2009 an der mittlerweile von der DFG geförderten systematischen Erforschung der "Eisernen Eremitage". Daneben war er in der Lehre in verschiedenen Kursen zur Bautechnikgeschichte eingebunden. Außerdem arbeitet er projektbezogen für ein Planungsbüro mit dem Schwerpunkt Erhaltung und Ertüchtigung von historischen Tragwerken und Bauwerken.
Werner Lorenz, geboren 1953 in Osnabrück, ging 1980 nach dem Studium des Bauingenieurwesens an der TU Berlin zunächst "in die Lehre" in ein Berliner Ingenieurbüro,
bevor er 1984 an seine Hochschule zurückkehrte und dort u. a. erste Seminare zur Bautechnikgeschichte leitete. 1988 war er Gastprofessor an der École Nationale des Ponts et Chaussées in Paris, 1992 wurde er mit einer Arbeit über die Frühzeit des Bauens mit Eisen in Berlin und Potsdam promoviert. Im Jahr darauf nahm er den Ruf auf den neuen Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte der BTU Cottbus an, wo er für Studenten des Bauingenieurwesens und der Architektur ein System von konsekutiven Kursen in Bautechnikgeschichte und Tragwerkserhaltung aufbauen konnte. 1996 gründete er ein Planungsbüro in Berlin, das sich auf die Erhaltung und Ertüchtigung historischer Tragwerke und Denkmale spezialisiert hat. Seit mehr als 25 Jahren lehrt, forscht und publiziert Werner Lorenz zur Geschichte der Bautechnik und angemessenem Umgang mit historischen Tragwerken; auch nach seiner Emeritierung 2018 bleibt er seiner Hochschule als Honorarprofessor weiterhin verbunden. Forschungsschwerpunkte sind die industriell geprägte Bautechnikgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts sowie die Genealogie von Denkweisen und Haltungen des modernen Bauingenieurs. In der Tragwerkserhaltung arbeitet er zur Strukturanalyse, Bewertung und behutsamen Ertüchtigung historischer Baukonstruktionen. Er ist Mitglied in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Beiräten und gutachterlich u. a. für Landesdenkmalämter und ICOMOS tätig. 2013 wählte ihn die neu gegründete Gesellschaft für Bautechnikgeschichte zu ihrem ersten Vorsitzenden. Für seine Arbeiten wurde er u. a. 1999 mit dem Literaturpreis für Baukultur des Verbands der deutschen Architekten- und Ingenieurvereine, 2008 mit dem Brandenburgischen Ingenieurpreis und 2014 mit der Nominierung zum Deutschen Brückenbaupreis ausgezeichnet.

Über die Reihenherausgeber:

Karl-Eugen Kurrer wurde 1952 in Heilbronn geboren. Nach dem Studium des Bauingenieurwesens an der Hochschule für Technik (HfT) Stuttgart arbeitete er zunächst im Ingenieurholzbau in Heilbronn und studierte dann an der TU Berlin Bauingenieurwesen, Technikgeschichte und Physikalische Ingenieurwissenschaften. 1981 schloss er seine Diplomarbeit über die Entwicklungsgeschichte der Gewölbetheorie ab, forschte anschließend zur rationellen Energieverwendung in der Industrie und wurde 1986 von der TU Berlin zum Dr.-Ing. promoviert. Zwischen 1989 und 1995 arbeitete Kurrer als Entwicklungsingenieur für Antennensysteme bei Telefunken Sendertechnik GmbH in Berlin. Ende 1995 übertrug ihm der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die Leitung des Arbeitskreises Technikgeschichte in Berlin. Vom 1.1.1996 bis zum 28.2.2018 wirkte Kurrer im Verlag Ernst & Sohn als Chefredakteur der Zeitschriften "Stahlbau" und (ab 2008) "Steel Construction - Design and Research". Seit über 40 Jahren befasst er sich mit der Bautechnikgeschichte. Kurrer publizierte über 200 Aufsätze, Buchbeiträge und mehrere Monographien, darunter das in dieser Reihe 2018 erschienene Buch "The History of the Theory of Structures. Searching for Equilibrium".

Werner Lorenz wurde 1953 in Osnabrück geboren. Nach dem Studium des Bauingenieurwesens an der TU Berlin sammelte er ab 1980 erste praktische Erfahrungen in einem Berliner Ingenieurbüro, bevor er 1984 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die TU zurückkehrte und dort u.a. erste Seminare zur Bautechnikgeschichte ausrichtete. 1988 war er Gastprofessor an der École Nationale des Ponts et Chaussées in Paris. 1992 wurde er mit einer Arbeit über die Frühzeit des Eisen- und Stahlbaus im Berliner Raum zum Dr.-Ing. promoviert. 1993 erhielt er den Ruf an den neu geschaffenen Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte der BTU Cottbus. Ergänzend dazu gründete er 1996 ein Ingenieurbüro, das sich auf die Instandsetzung und Ertüchtigung von historischen Brücken- und Hochbauten spezialisiert hat. Mit der Pensionierung wurde er 2018 zum Honorarprofessor der BTU Cottbus-Senftenberg ernannt. Seit 2021 leitet er von dort im Rahmen des gleichnamigen DFG-Schwerpunktprogramms einen bundesweiten Forschungsverbund zum Thema "Kulturerbe Konstruktion". Seine Forschungsschwerpunkte lagen und liegen im Bereich der jüngeren Konstruktionsgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts und der angemessenen Bewertung und Ertüchtigung historischer Tragwerke.

S. G. Fedorov, Karlsruhe; B. Heres, Berlin