Wiley-VCH, Berlin Physiker zwischen Autonomie und Anpassung Cover Welche Aspekte bestimmten die Geschichte der Deutschen Physikalischen Gesellschaft während des Dritt.. Product #: 978-3-527-40585-5 Regular price: $109.52 $109.52 Auf Lager

Physiker zwischen Autonomie und Anpassung

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft im Dritten Reich

Hoffmann, Dieter / Walker, Mark (Herausgeber)

Cover

1. Auflage Dezember 2006
XII, 676 Seiten, Hardcover
56 Abbildungen
Handbuch/Nachschlagewerk

ISBN: 978-3-527-40585-5
Wiley-VCH, Berlin

Kurzbeschreibung

Welche Aspekte bestimmten die Geschichte der Deutschen Physikalischen Gesellschaft während des Dritten Reiches im Spannungsfeld zwischen politischer Anpassung und wissenschaftlicher Autonomie? Eine Gruppe namhafter Autoren gibt Antwort.

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Deutschland war im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts ein Weltzentrum physikalischer Forschung, insbesondere auf dem Gebiet der Theoretischen Physik. Zum institutionellen Netzwerk dieser Hochkultur der Physik gehörte die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), eine der ältesten und einflussreichsten wissenschaftlichen Gesellschaften in Deutschland.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 bedeutete auch für die Physik einen tiefen Einschnitt. Politische Einflussnahme, die Vertreibung jüdischer Gelehrter und die verstärkt anwendungsbezogene und militärtechnische Ausrichtung der Forschung veränderten die Rahmenbedingungen physikalischer Forschung grundlegend und bedeuteten einen gravierenden Verlust an internationalem Ansehen und Einfluss.

Welche Rolle spielte die Deutsche Physikalische Gesellschaft in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, welche Position nahm sie im Prozess der wissenschafts- und forschungspolitischen Neuorientierung ein und was war ihre Funktion im politischen Macht- und Handlungsgefüge des Dritten Reiches? Welchen Einfluss hatten die Vertreter der so genannten "Deutschen Physik" in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und in der damaligen Physik generell? Welche Handlungsspielräume hatten die Physiker im Dritten Reich, sich der Vereinnahmung durch ein totalitäres und verbrecherisches Regime zu entziehen?

Eine Gruppe namhafter Autoren versucht Antwort auf diese Fragen zu finden und beleuchtet die wissenschaftsimmanenten Aspekte sowie die gesellschaftspolitischen Zusammenhänge, die die Geschichte der Deutschen Physikalischen Gesellschaft während des Dritten Reiches im Spannungsfeld zwischen politischer Anpassung und wissenschaftlicher Autonomie bestimmt haben.

Vorwort

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft im nationalsozialistischen Kontext (Mark Walker)

Die Naturforscherversammlung in Nauheim 1920 - Eine Einführung in das Wissenschaftsleben der Weimarer Republik (Paul Forman)

Rahmenbedingungen und Autoritäten der Physikergemeinschaft im Dritten Reich (Richard H. Beyler)

Die Ausgrenzung und Vertreibung der Physiker im Nationalsozialismus - welche Rolle spielte die Deutsche Physikalische Gesellschaft? (Stefan L. Wolff)

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die "Deutsche Physik" (Michael Eckert)

Die Ramsauer-Ära und die Selbstmobilisierung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (Dieter Hoffmann)

Die Planck-Medaille (Richard Beyler, Michael Eckert, Dieter Hoffmann)

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die physikalische Forschung (Gerhard Simonsohn)

Misstrauen, Verbitterung und Sentimentalität: Zur Mentalität deutscher Physiker kurz nach 1945 (Klaus Hentschel)

"Sauberkeit im Kreise der Kollegen": Die Vergangenheitspolitik der DPG (Gerhard Rammer)

Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung im Dritten Reich: Fachpolitik im Netz der nationalsozialistischen Ideologie (Volker Remmert)

"Dem Duce, dem Tenno und unserem Führer ein dreifaches Sieg Heil!" Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deutscher Chemiker in der NS-Zeit (Ute Deichmann)

Anhang
"Einstein verließ Deutschland dann noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Der allgemeine Exodus führender Gelehrter führte in vielen Naturwissenschaften zu einem Verfall der Grundlagenforschung - nach und nach auch in der Physik...Welche Rolle die Deutsche Physikalische Gesellschaft dabei einnahm, war lange unbekannt. Vor kurzem ist nun ein Buch erschienen, das genau diese Frage beleuchtet."
rbb - Kulturradio am Vormittag

"Das Buch zeichnet ein sehr differenziertes Bild - das Bild einer Organisation, der es im Unterschied zu anderen lange gelang, ideologische Verbeugungen zu vermeiden und ihre traditionellen Hierarchien und die internen Entscheidungsstrukturen aufrechtzuerhalten - teils bis in die Nachkriegszeit hinein. Sie wahrte damit ein Stück berufsständischer Autonomie. Ein Preis dafür war, dass sich die DPG niemals vor eines ihrer jüdischen Mitglieder gestellt hat." Stuttgarter Zeitung

"Dieses wichtige und längst überfällige Buch zur Geschichte und dem Verhalten der DPG und ihrer Vertreter in dunkler Zeit sollte in keinem Bücherregal eines Physikers fehlen." Physik in unserer Zeit

"Die Analysen zeichnen kein Schwarz-Weiß-Bild, sie sind kritisch, differenziert und im besten Sinne aufklärend...Das Buch hilft, Klischees zu relativieren, doch unter den Teppich wird nichts gekehrt."
TU intern

"Dieses wichtige und längst überfällige Buch zur Geschichte und dem Verhalten der DPG und ihrer Vertreter in dunkler Zeit sollte in keinem Bücherregal eines Physikers fehlen." Physik in unserer Zeit

"... ist der Band allen Physikerinnen und Physikern sehr zu empfehlen, die auch nur ein wenig an der (wissenschaftspolitischen) Geschichte ihres Faches interessiert sind.
Physik Journal

"... Fazit: ein lesenswertes Kompedium"
VDI nachrichten, 20.04.07
Dieter Hoffmann studierte Physik (Diplom 1972), promovierte (1976) und habilitierte (1989) an der Humboldt-Universität zu Berlin auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte. Von 1976 bis 1991 forschte er auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte an der Akademie der Wissenschaften der DDR und war danach u.a. Stipendiat der Humboldt-Stiftung. Seit 1995 ist er Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte in Berlin; zugleich lehrt er als außerplanmäßiger Professor an der Humboldt-Universität. Seine zahlreichen Publikationen weisen ihn als profunden Kenner zur Physik- und Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts aus.

Mark Walker studierte Mathematik an der Washington University in St. Louis (BA, 1981) und Geschichte an der Princeton University, wo er 1987 mit einer Arbeit zur deutschen Uranforschung im Dritten Reich (Die Uranmaschine, Berlin 1990) promovierte. Seit 1987 lehrt er am Union College in Schenectady, New York, moderne europäische Geschichte und Geschichte der Naturwissenschaften und Technik. Seine zahlreichen Publikationen weisen ihn als international anerkannten Kenner der deutschen Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts und speziell der Entwicklung von Wissenschaft und Technik im Dritten Reich aus.

D. Hoffmann, MPI für Wissenschaftsgeschichte, Berlin; M. Walker, Union College, Schenectady, USA